Mitteilung Kanton

Gewaltfreie Erziehung wird gesetzlich verankert

Eine Familie läuft in den Sonnenuntergang
Eine Familie läuft in den Sonnenuntergang

Am 1. Juli 2026 wird der Grundsatz der gewaltfreien Erziehung im Schweizerischen Zivilgesetzbuch verankert. Damit wird das Recht von Kindern auf eine respektvolle Erziehung ohne körperliche oder psychische Gewalt bestätigt. Zudem müssen Kantone und Gemeinden den Zugang zu Beratungsangeboten sicherstellen. Der Kanton St.Gallen und seine Gemeinden verfügen bereits über ein breites Beratungs- und Unterstützungsangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern, dennoch bleibt eine Sensibilisierung für das Thema wichtig.

Am 1. Juli 2026 wird der Grundsatz der gewaltfreien Erziehung in Art. 302 des Zivilgesetzbuches verankert. Diese Forderung ist im Schweizer Strafrecht und in der Kinderrechtskonvention der UNO bereits anerkannt und Gewalt gegenüber Kindern verboten. Mit der neuen Bestimmung erhält das Schweizer Recht eine ausdrückliche Rahmennorm für eine Erziehung im Einklang mit den Kinderrechten.

Die neue gesetzliche Bestimmung im Zivilgesetzbuch verändert den Handlungsspielraum der Behörden nicht. Sie hat jedoch Leitbildcharakter und setzt ein klares gesellschaftliches Zeichen: Körperliche und psychische Gewalt in der Erziehung werden nicht toleriert.

Beratungs- und Unterstützungsangebote sind vorhanden

Die Kantone müssen neu sicherstellen, dass Eltern und Kinder bei Erziehungsschwierigkeiten gemeinsam oder einzeln ausreichend Zugang zu Beratungsangeboten haben. Im Kanton St.Gallen besteht ein solches Angebot bereits.

Niederschwellige Unterstützung bieten insbesondere die Gemeinden mit Angeboten wie der Mütter- und Väterberatung, der Erziehungsberatung oder der Schulsozialarbeit. Ergänzend stehen rund um die Uhr erreichbare Angebote zur Verfügung, darunter die Notrufnummer 147 für Kinder und Jugendliche sowie die Elternberatung von Pro Juventute.

Zudem bietet das Kinderschutzzentrum Beratung und Unterstützung für gewaltbetroffene Kinder und Jugendliche und deren Umfeld. Das digitale Verzeichnis «find help neues Fenster» unterstützt dabei, passende Unterstützungsangebote im Gesundheits- und Sozialbereich schneller zu finden – kostenlos, anonym und seit kurzem in über 20 Sprachen. Für Jugendliche gibt es zudem die Plattform sorgenwolken.sg neues Fenster.

Gewalt in der Erziehung bleibt ein ernstes Problem

Untersuchungen zeigen, dass körperliche oder psychische Gewalt gegen Kinder in der Schweiz nach wie vor ein ernstes Problem darstellt. Gewalt hat keinen erzieherischen Nutzen, kann aber den Lebensweg von Kindern nachhaltig beeinträchtigen und hat kurz- und langfristig schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder. Mögliche Folgen sind Angstzustände, Verlust des Selbstwertgefühls, gewalttätiges Verhalten gegenüber anderen oder Beziehungsprobleme.

Gemäss einer Erhebung der Universität Fribourg aus dem Jahr 2024 wenden rund 27 Prozent der Eltern körperliche Gewalt gegenüber ihren Kindern an. Sieben Prozent der Befragten gaben an, dies regelmässig tun. Von psychischer Gewalt berichten 35 Prozent der Eltern. Dazu zählen beispielsweise heftiges Beschimpfen, Liebesentzug oder die Androhung von Schlägen. 21 Prozent der Befragten wenden psychische Gewalt regelmässig an.