Mitteilung Kanton

Digitale Zukunft der Justiz aktiv mitgestalten

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Die St.Galler Gerichte gestalten den digitalen Wandel der Justiz aktiv mit und setzen damit wichtige Akzente für eine zukunftsgerichtete und effektive Justiz. Trotz deutlich angestiegener Geschäftslast sichern sie weiterhin eine hohe Qualität der Rechtsprechung.

Die Digitalisierung der Justiz ist schweizweit eines der zentralen strategischen Vorhaben der kommenden Jahre. Sie betrifft nicht nur technische Fragen, sondern die Arbeitsabläufe insgesamt – von der Einreichung einer Klage bis zum rechtskräftigen Entscheid. Künftig soll der Rechtsverkehr und die Aktenführung im Zivil-, Straf- und Verwaltungsverfahren elektronisch erfolgen. Für nicht anwaltlich vertretene Parteien bleibt es weiterhin möglich, Eingaben in Papierform einzureichen.

Auf kantonaler Ebene steht insbesondere die Ablösung der bisherigen Fachapplikation «JURIS» durch eine moderne Nachfolgelösung im Fokus. Gemeinsam mit der Staatsverwaltung arbeiten die Gerichte an einer nachhaltigen Lösung für die gesamte Justizkette.

Die digitale Transformation ist anspruchsvoll und ressourcenintensiv. Die St.Galler Gerichte gehen diese Entwicklung aktiv an und gestalten die Veränderungen bewusst mit – im Interesse einer modernen, sicheren und effizienten Justiz.

Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll nutzen

Ergänzend haben die Gerichte ein Projekt zur Abklärung der Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz initiiert. Neben der Prüfung konkreter Anwendungen dient das Projekt auch der systematischen Auseinandersetzung mit übergreifenden Fragestellungen etwa zu rechtlichen oder ethischen Themen. Zentral ist, dass das Vertrauen der Bevölkerung in eine menschlich verantwortete Justiz zu jeder Zeit gewährleistet bleibt.

Attraktive Arbeitgeber in einem anspruchsvollen Umfeld

Angesichts steigender Fallzahlen und eines intensiven Wettbewerbs um qualifizierte Fachkräfte stärken die Gerichte ihre Position als attraktive Arbeitgeber. Moderne Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitsmodelle, zeitgemässe Infrastruktur sowie eine wertschätzende Personalpolitik schaffen die Grundlage für personelle Kontinuität – und damit für stabile Verfahrensdauern und hohe Qualität.

Geschäftslast weiterhin sehr hoch

Beim Kantonsgericht (inkl. Handelsgericht und Anklagekammer) gingen 2025 insgesamt 2’362 neue Fälle ein – so viele wie noch nie in den letzten zehn Jahren. Zwar konnte auch die Zahl der Erledigungen auf einen Höchstwert gesteigert werden, dennoch nahm die Pendenzenlast zu. Die sieben Kreisgerichte verzeichneten mit 15’274 neuen Fällen ebenfalls einen Höchststand. Trotz deutlich gesteigerter Erledigungszahlen stieg aufgrund der hohen Geschäftslast die Zahl der pendenten Verfahren.

Das Verwaltungsgericht verzeichnete 2025 mit insgesamt 235 Neueingängen die gleiche Fallzahl wie im Vorjahr. Die Anzahl pendenter Verfahren konnte leicht reduziert werden. Bei der Verwaltungsrekurskommission sind insgesamt 847 neue Fälle eingegangen. Die Pendenzenlast blieb stabil.

Beim Versicherungsgericht sind 2025 die Eingänge mit 597 neuen Fällen gegenüber dem Vorjahr markant angestiegen. Insgesamt wurden 563 Fälle erledigt. Die Zahl pendent gebliebener Verfahren erhöhte sich moderat.

Um trotz hoher Geschäftslast angemessene Verfahrensdauern sicherzustellen, nehmen die Gerichte wo nötig Priorisierungen vor und setzen ihre personellen Ressourcen so flexibel wie möglich ein.

Die Kennzahlen zur Weiterzugs- und Beständigkeitsquote zeigen, dass die Entscheide der St.Galler Gerichte eine hohe Akzeptanz geniessen und bundesgerichtlichen Überprüfungen weitgehend standhalten.